Klimagipfel 2019

Wir brauchen Wiesen und Kühe…

 

Am 18. Oktober fand im Berggasthof Kohlschnait der 4. Klimagipfel Tourismus zum Thema: „Almwirtschaft – Gut für den Tourismus, gut für’s Klima!?“ statt. Dabei präsentierten Schulen ihre zukunftsträchtigen Ideen zu diesem Thema, es gab eine hochrangig besetzte Diskussionsrunde und die bekannte Wissenschaftlerin und Autorin Dr. Anita Idel erklärte, warum Wiesen und das dazugehörige Weidevieh so wichtig für den Klimaschutz sind….

 

Ebenso wie die ersten drei Klimagipfeln am Kitzsteinhorn und im Nationalparkzentrum wollte der von der KEM Energiereich Nationalparkregion (Träger: Regionalverband Oberpinzgau+Bruck+Rauris) veranstaltete 4. Klimagipfel Tourismus einmal mehr die unterschiedlichen Wirtschaftsbereiche unserer Region im Sinne des Klimaschutzes vernetzen. Dabei sollten neue Perspektiven eröffnet und mögliche Wege zu realistischen Umsetzungen diskutiert werden. Zielgruppe dieser Veranstaltung waren von Beginn an die heimische Tourismuswirtschaft mit Hotellerie und Gastronomie sowie natürlich die Landwirte (und in Folge auch Handwerksbetriebe) als Zulieferer für entsprechende regionale Produkte. Parallel dazu gaben SchülerInnen der LFS Bruck und Tourismusschule Bramberg Anregungen, wie man verstärkt regionale Gerichte als einzigartig und positiv (auch im Sinne der CO2-Bilanz) produzieren und vermarkten kann.

Dieses umfangreiche Schul-Projekt (Ökologischer Fußabdruck Regionaler Produkte), bei dem auch die MS Mittersill beteiligt ist, hat sich ganz konkrete Ziele gesteckt: In der Landwirtschaftsschule werden auf möglichst tier- und klimafreundliche Weise Almochsen gezüchtet, die dann an die heimische Gastronomie geliefert werden. „Aus einem Ochsen können rund 900 Essensportionen hochwertiges Fleisch produziert werden, diese Kälber müssen dann nicht exportiert und im Gegenzug minderwertiges Fleisch aus Massenzucht wieder importiert werden. Dies ist Wahnsinn, sowohl in Bezug auf das Tierwohl als auch auf den CO2-Ausstoß!“, erklärt Schuldirektor Christian Dullnigg. Er hofft, mit dieser Aktion Gastronomen zu erreichen, die ganz konkret in der Schule einen Almochsen bestellen können. Die Tourismusschule Bramberg beschäftige sich mit konkreten Vermarktungsstrategien von „Regionale Gerichte mit ihrer Geschichte“, die auch ganz konkret angewandt und mittels Gästebefragungen evaluiert werden (im Partnerbetrieb Smragdhotel Tauernblick, dessen Inhaber ebenfalls an der Diskussionsrunde beteiligt war). Die MS Mittersill wird das Thema eigener Garten sowie Produkte aus den schuleigenen Hochbeeten vermehrt in den Unterricht einfließen lassen und ich auch mit dem wertvollen Trinkwasser aus unserer Region auseinandersetzen.

 

Wiese speichert ebenso gut CO2 wie Wald

 

Nach einem Mittagessen vom Almochsen und heimischen Äpfeln - welches die Tourismusschule und Landwirtschaftsschule mit Unterstützung des ebenfalls stark mit regionalen Produkten arbeitenden Gastwirts Robert Eder zubereitet hatten – stand der Vortrag von Anita Idel am Programm „Die Kuh ist kein Klimakiller“. Darin erläuterte sie sehr anschaulich, dass nicht nur der Wald, sondern auch das Grasland mit dem Aufbau von Humus ein hervorragender CO2-Speicher ist. Man müsse eine Wiese im Verlauf von zig-Jahren betrachten (im Vergleich mit dem Wachstum eines Baumes) und die große Wurzelmasse mit einbeziehen. Grünland, also Wiesen und Weiden, speichert im Schnitt etwa doppelt soviel Kohlenstoff wie ein Ackerboden und sogar mehr als ein Wald. Damit Gras aber gut wachsen kann, braucht es Weisevieh, also in unserem Gebiet vor allem Rinder. Diese liefern dem Gras den Wachstumsimpuls. „Eine auf der Weide grasende Kuh steigert die Bodenfruchtbarkeit: Je dichter und dauerhafter der Boden bewachsen ist, desto mehr Humus entsteht und desto mehr Kohlenstoff wird gebunden. Jede Tonne Kohlenstoff im Boden entlastet die Atmosphäre um 3,67 Tonnen CO₂", erklärt Anita Idel, die schon für zahlreiche internationale Forschungseinrichtungen gearbeitet hat. „Unsinnig ist es, diese genügsamen Tiere in den Stall zu sperren und mit überdüngten Futterpflanzen zu füttern. Nicht die Kuh gefährdet das Weltklima, sondern die industrialisierte Landwirtschaft!“.

Wie man vor diesem Hintergrund das Image von Weidevieh (am besten regional und bio!), die Erhaltung der Almwirtschaft und konkreten Angebote im Sinne eines nachhaltigen Tourismus beim Touristiker und in weiterer Folge auch bei den Gästen stärken kann, war Gegenstand einer spannenden Diskussionsrunde mit Vertretern unterschidlichster Branchen: LA Bgm. Hannes Schernthaner (GROHAG-Vorstand, Katastrophenreferent des Landes), LA Josef Scheinast (Grüne Wirtschaft), Hans Dittrich  (Sprecher deutsche Reisekooperative mein-reisespezialist mit Schwerpunkt nachhaltiger Tourismus), ÖR Klaus Viezthum (Obmann Bezirkslandwirtschaftskammer), Dir. Christian Dullnigg  (LFS Bruck, Obmann Pinzgauer Rinderzuchtverband), Anita Idel und Günter Innerhofer – (Smaragdhotel Tauernblick, Umweltzeichenbetrieb, Praxisbetrieb).

 

Konkrete Maßnahmen sind für alle ein Gewinn

 

Man war sich einig, dass der Gast regionale Gerichte zu schätzen weiß und dass diese aber auch gekennzeichnet werden müssen „Die Nachfrage nach nachhaltigen regionalen Produkten wird bei den Gästen spürbar immer größer. Dies muss aber auch von Seite der Vermieter vor Ort, aber auch schon im Vorfeld kommuniziert und beworben werden, damit man es vor der Buchung schon entsprechend anbieten kann!“, erklärt Reiseveranstalter Hans Dittrich.

„Die regionalen Landwirt können für unsere Region produzieren, wenn es konkrete Nachfragen und Verträge mit der Gastronomie gibt“, zeigt sich Klaus Vizthum überzeugt. „Das muss natürlich schon im Vorfeld geklärt werden, denn die Produkte und auch die Kälber müssen ja über mehrere Jahre hinweg aufgezogen werden.“

Wir möchten auch weiterhin zusammen mit der Landwirtschaft, den Touristikern und unseren Nachwuchskräften  - also Schulen - daran arbeiten, jene Kräfte zu stärken, für die das Thema Regionalität und Nachhaltigkeit keine Worthülse, sondern ein echtes Anliegen ist. Der Klimawandel ist auch bei uns längst angekommen und wir müssen jetzt die konkrete Umsetzung für CO2-sparende Maßnahmen starten! Mehr regionale Produkte auf unseren Tellern ist ein Ziel, das für alle Beteiligten und für das Klima nur Vorteile bringt“, so KEM-Managerin Susanne Radke abschließend.

 

 

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