Neue Erkenntnisse bringt das LEADER-Forschungsprojekt "Traditionelles Bäderwissen"

Die wissenschaftliche Aufbereitung und Vermarktung des Traditionellen Europäischen Heilwissens gilt als „Best-Practice-Beispiel“ unter den österreichweiten LEADER-Projekten. Umso erfreulicher ist es, dass der TEH-Verein erneut ein LEADER-Projekt umsetzt, und zwar die Erhebung des traditionellen Bäderwissens. Herr Roland Pejcl aus Saalfelden ist der Leiter dieses einmaligen Projekts und forscht schon seit knapp zwei Jahren im Bereich der Balneologie.

LEADER: Seit fast zwei Jahren arbeitet der TEH Verein am Forschungsprojekt „Traditionelles Bäderwissen“. Gibt es schon erste Erkenntnisse?

R. Pejcl: Das ist eine sehr umfassende Frage, die ich auch nur sehr umfassend beantworten kann. Wir sind mit dem Problem konfrontiert, dass es nur sehr wenig Literatur zum traditionellen Bäderwissen der letzten 200 Jahre gibt. Da geht es uns als Balneologen* nicht anders als den Historikern, welche ebenfalls in diesem Bereich forschen. Obwohl es nur sehr wenige schriftliche Aufzeichnungen gibt, konnten wir bereits einiges feststellen: Das Baden wurde früher vorwiegend aus Gründen der Hygiene praktiziert. Medizinische Bäder spielten kaum eine Rolle. Dies lag daran, dass es sehr aufwändig war ein Bad zuzubereiten. Die wenigen Heilbäder, die es laut Volksüberlieferungen gab, waren meist nur spiritueller Natur und offenbarten keine wissenschaftliche Heilwirkung (z.B. Walpurgisbad, Maibad, Johannibad, Augenbründl). Dass die meisten vermeintlichen Heilbäder nur gesellschaftlichen Zwecken diente, zeigten auch die zahlreichen „Belustigungsbäder“ bei den Gasthöfen. Die ersten „medizinischen“ Badanwendungen beschränkten sich hauptsächlich auf Kaltanwendungen (Maßnahmen zur Behandlung von Tuberkulose, Schwindsucht, Wahn und Irrsinn). Warmbäder gab es aus ökonomischen Gründen kaum. In der Geschichte des Badens gab es in den letzten 500 Jahren immer wieder Zäsuren. Das Erzbistum Salzburg etwa oder Erzherzogin Maria Theresia von Österreich sprachen immer wieder Verbote gegen Schwitzbäder aus. Es wurde als sündhaftes Laster und als gesundheitsschädlich (Kleinwüchsigkeit, Syphilis, Idiotie) angesehen. Im Innergebirg konnten sich solche Verbote aufgrund der Sturheit der lokalen Bevölkerung aber kaum durchsetzen. Eine beliebte Form des Badens im Innergebirg war auch das Schwitzen im sogenannten „Brechlbad“ (= Flachs-Hütten). Das „Schwitzen“ in Brechlbädern wurde übrigens von den Finnen im 30-jährigen Krieg in den alpinen Raum gebracht. Mit dem Aufkommen der Baumwolle verschwand aber nicht nur das Flachs, sondern auch die Schwitzhütten. Auch der erhöhte Holzbedarf für die Verhüttung und Salzgewinnung trug zum Verschwinden der Schwitzhütten bei. Ein Brechlbad im Originalzustand existiert nur noch in Taxenbach.
*Heilbad-Wissenschafter
 

LEADER: Ein wesentlicher Bestandteil des LEADER-Projekts ist die Produktentwicklung. Welche Produkte wurden bereits entwickelt oder befinden sich in der Entwicklung?

R. Pejcl: Diverse Badezusätze (Kräuter, Salz) und ein Salz-Fichten-Polster konnten bereits erfolgreich entwickelt werden. Zudem arbeiten wir an einem Prototyp einer mittelalterlichen Schwitzhaube (Saunahut aus Filz).  Ein Badequast (= ein Büschel Birkenzweige) zum Abklopfen nach dem Saunagang befindet sich ebenfalls noch in der Entwicklung.
 

LEADER: Die TEH plant sich aktiv bei der Neugestaltung des Freizeitzentrum Unken einzubringen. Inwieweit spielt das LEADER-Projekt „Traditionelles Bäderwissen“ dabei eine Rolle?

R. Pejcl:  Das langfristige Ziel von dem Projekt ist es nicht nur theoretisches Wissen zu erheben, sondern dieses auch zu nutzen. Auf Anregung der Gemeinde Unken bietet sich bei der Neugestaltung des Freizeitzentrums Unken die Möglichkeit das Traditionelle Bäderwissen auch praktisch umzusetzen und ein touristisches Alleinstellungsmerkmal in der Region zu schaffen. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Projektes ist die bauliche Konzeptionierung bzw. die praktische Anwendbarkeit des traditionellen Bäderwissens. Die Ergebnisse daraus könnten sich bei der Neugestaltung des Freizeitzentrums in Unken auch architektonisch niederschlagen. Erwähnenswert sei in diesem Zusammenhang, dass der Begriff „Baden“ sehr weit gedehnt sein kann und sich nicht nur auf das Baden/Schwimmen im Wasser beschränkt. Weitere Ausprägungsformen des Badens sind das Sonnenbaden, Luftbaden oder auch Seelenbaden.

 

LEADER: Der TEH-Verein hat sich in den letzten 12 Jahren von einem LEADER-Projekt zu einem wichtigen Arbeitgeber in der Region entwickelt. Ein Meilenstein war auch die Anerkennung als immaterielles nationales Kulturerbe der UNESCO. Welche großen Ziele verfolgt der TEH-Verein in den nächsten 10 Jahren?

R. Pejcl: In den letzten Jahren konnten wir beobachten, dass immer mehr Organisationen im kommerziellen Sektor auf den Zug der „Nachhaltigkeit“ aufspringen. Der Markt in diesem Bereich wird umkämpfter. Wir von der TEH sind als gemeinnützige Organisation nicht gewinnorientiert und wollen unsere hohe Qualität nicht abkaufen lassen. Das ist unser Erfolgsrezept und hebt uns von den anderen ab. Wir fühlen uns dem Gesundheitssektor verpflichtet und nicht dem Krankheitssektor. Unsere Produkte und unser Wissen dienen vorwiegend der Gesundheitsförderung und nicht der Behandlung von Krankheiten. Die Wissensweitergabe und Selbstbefähigung ist unsere Kernphilosophie. Genau in diesem Bereich sehen wir unsere Stärken. Als nächsten großen Meilenstein sehen wir die Evaluierung des Lehrganges „TEH-Praktiker“ und sind schon gespannt, welche positiven Wirkungen mit dem Lehrgang in der Region erzielt werden konnten. Darüber hinaus arbeiten wir ständig an der Verwirklichung unserer Vision, dass die Menschen mehr Selbstverantwortung übernehmen und in die eigene Gesundheit investieren. Die regionale Stärkung der TEH sowie die Schaffung weiterer TEH-Strukturen in anderen Regionen bzw. in ganz Europa betrachten wir als weitere großen Ziele.

 

LEADER: Vielen Dank für das Interview!

 

 

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